Geschichte

Herdern

Herdern, mit rund 400 Einwohnern, hat sich jeher im Dorf und in weitem Umkreis um Kirche und Schloss gesammelt. Das Entstehen kann zeitlich nicht genau datiert werden. Sicher ist, dass nördlich von Herdern über Reutershaus die Römerstrasse Ad fines – Tasgetium (Pfyn-Eschenz) führte und dass im Bereich Kirche/Schloss 1972 römische Bautrümmer gefunden wurden, die auf ein hohes Alter der Siedlung hinweisen. Aber die ersten schriftlichen Zeugen stammen aus der Jahrtausendwende, 1094 wird ein Erinfrid de Harderin erwähnt.

Die Gerichtsherrschaft stand damals unter der Äbtestadt Wil, dann unter Ittingen, schliesslich unter dem Stift St. Gallen, das sie 1331 an das neugegründete Kloster Kalchrain weitergab. Pfarrbücher geben seit 1650 Aufschluss über die Taufen, seit 1770 über Beerdigungen, 1773 über Ehen.

Der zweite Mittelpunkt von Herdern, das Schloss, ursprünglich sicherlich ein Wehrturm, diente den Lehensherren der Herren von Toggenburg, den Edelleuten Bettler, deren einer, Conradus dictus Betelaer, 1252 erstmals genannt wird. Der letzte Spross des Stammes, Albrecht Bettler, verlieh 1403 Schloss und Burggraben an seine Tochter Anna Bettler von Herdern und deren Mann, Ital Egli aus Konstanz, dessen Nachkommen sich Egli von Herdern nannten. Der Turm muss im 12./13. Jahrhundert aufgebaut worden sein, umgeben von Mauer, Wall und Graben, während das Wohnhaus als Anbau an den Turm von einem viel späteren Besitzer, Hans Ulrich von Breiten-Landenberg, errichtet wurde.

Vorher noch, um 1522, war das Schloss an Hug Dietrich von Hohen-Landenberg gekommen, der vor allem durch seinen Einsatz für den römisch-katholischen Glauben in der Gemeinde berühmt geworden ist. Das weitere Schicksal brachte dem Schloss durch Erbschaft und Heirat immer neue Besitzer, bis es von den Erben eines Wilhelm August von Lichtenstein 1683 an das Kloster St. Urban verkauft wurde, dass einen Statthalter auf Schloss Herdern hatte, bis dieser nach der Klosteraufhebung 1848 die Anlage räumen musste, die in Privathand übergingen. Seit 1895 beherbergt Schloss Herdern die Arbeiterkolonie, heute Wohn-, Arbeits- und Beschäftigungsstätte.

Lanzenneunforn

Lanzenneunforn ist vor allem mit drei historischen Namen, mit Liebenfels, Schweikhof und Ammenhausen verbunden. Der Name des Dorfes wurde 1379 mit Niufron angegeben, um 1750 mit Nüfren. Doch längst vorher waren die Römer auf der Strasse Eschenz-Pfyn hier durchgezogen und hatten verschiedenenorts, so südwestlich von Lanzenneunforn, bei den Höfen Meienberg und Kugelshofen, Spuren hinterlassen. Das Bistum Konstanz, damals Herr der grössten Teile seiner Region, übergab die Gerichtsherrschaft über das Dorf den Herren von Liebenfels. Und diese, die Familie Lanz, die von 1463 – 1571 auf Liebenfels sassen, prägten 1750 den heutigen Namen. Ehe St. Urban Herdern kaufte, hatte es 1654 Liebenfels und dessen Rechtssprechung erworben, die es bis 1798 behielt, wie es auch für Liebenfels den gesamten Grundbesitz des Dorfes innehatte. Neben Liebenfels war der Schweikhof ein Herrensitz.

Die früheste Kunde erhalten wir um 1550 herum über den Besitzer, die Herren von Gundelfingen. Später, um 1567, ist von Graf Otto von Eberstein als Besitzer des Schweikhofs und Gerichtsherr von Pfyn und Dettighofen die Rede. Im Zuge der Ankäufe in der Region erwarb 1667 der Abt von St. Urban, den Freisitz und arrondierte so seine Herrschaft auch in Lanzenneunforn. Zu den alteingesessenen Thurgauer Geschlechtern der Gegend gehören offenbar auch die Kolb, die 1613 erstmals erwähnt werden und in Alfred Kolb, einen bekannten Maler hervorbrachten. Interessanter noch ist die Notiz, dass die Kapelle in Lanzenneunforn zwischen 1760 und 1770 von einem Kolb als Dank dafür errichtet wurde, dass er trotz eines Totschlages nicht hingerichtet wurde.

Ammenhausen, aus den alten Sprachformen aus den «Häusern des Ano» entwickelt, war Sitz der Edlen von Ammenhausen, aus deren Stamm der Thurgauer Dichter Kuonrat von Ammenhausen stammte, der aus der Zeit der Gründung der Eidgenossenschaft 1291 gelebt haben muss. Er ist als Vielgereister und vielbelesener Priester und Dichter im Kloster St. Georgen zum Stein am Rhein 1337 erwähnt und verfasste eine Anleitung zum Schachspiel. Aus der Zeit der Edlen von Ammenhausen sind keine Spuren mehr vorhanden, mit Ausnahme des Hofs Ammenhausen, der die Tradition weiterführt.